Alltag in der Death Row

© Kai Niemeyer / pixelio.de

Gregory und ich schreiben nur sehr selten über seinen Alltag in der Death Row. Ich bin natürlich neugierig wie ein typischer Tag bei Ihm aussieht, aber in den Briefen geht es hauptsächlich darum ihm einen Zufluchtsort zu geben. Einen Zufluchtsort, wo der Gefängnisalltag wenigstens für ein paar Minuten vergessen werden kann.

Das gelingt uns natürlich nicht immer. Zumal der Gefängnisalltag auch unseren Briefkontakt beeinflusst. Größtes Problem dabei ist, dass meine Briefe wochenlang zurück gehalten werden. Wenn Gregory mir schreibt, ist der Brief innerhalb einer Woche bei mir. Wenn ich ihm schreibe, dann dauert es etwa drei, vier Wochen bis Gregory meinen Brief in den Händen hält.

Es ist nicht so, dass die Post in die eine Richtung schneller arbeitet als in die andere. Schön wärs. Es ist vielmehr Schikane der Gefängnismitarbeiter. Die Gefangenen in der Death Row haben nicht viel, an dem sie sich festhalten können. Gregory hat seine Literatur und seine Briefe. Am Schreiben kann man ihn schlecht hindern, also werden die Briefe nur sehr verzögert zugestellt bzw. teilweise zerstört.

Das ist teilweise sehr frustrierend, anstrengend und auch einfach albern. Mein letzter Brief wurde ihm vollkommen zerfleddert zugestellt. Grund dafür war, dass ich auf den Brief eine ausgeschnittene Mohnblume geklebt habe. Meine Kitschader hatte wieder zugeschlagen. Ich fand einen bunten Brief einfach schöner als einfache Schrift auf weißem Grund.
Die Postbeamten im Gefängnis meinten, dass sich wahnsinnig spannende Sachen unter der Mohnblume befinden und mussten das Ganze auseinander nehmen. Natürlich nicht vorsichtig, sondern sehr rabiat. Ist ja egal, wenn der Empfänger den Brief nicht mehr lesen kann, ist doch nur ein Gefangener.

Das sind die einzigen Momente, in denen Gregory bisher aus dem Death Row Alltag berichtet hat. Ich denke aber, dass er sicher bereit ist für seinen Blog mehr Einblicke zu gewähren.

Auf einem ähnlichen Blog habe ich eine Schilderung des Death Row Alltages gefunden. Hier beschreibt Gerald Marshall das Leben im Todestrakt und seine Zelle.

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Ein Kommentar zu “Alltag in der Death Row

  1. Willi sagt:

    Ich bitte inständig um Verzeihung, aber unter Aufklebern (auch unter Briefmarken) können Drogen geschmuggelt werden. LSD z.B. kommt oft auf diesem Weg ins Gefängnis – auch in Deutschland. Der Insasse braucht nur noch an der Briefmarke lecken und ist auf seinem Trip. Und selbstverständlich muss der ganze Aufkleber entfernt werden, weil sich die Drogen auch auf dem Umschlag befinden.

    Und die beste Beschreibung über die Zustände in der Death Row stammt wohl von Paul Colella: „Uncensored from death row“.

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