Trauma´n´Drama

Trauma´n´Drama ist der Titel von Gregory´s Autobiographie. Er hat mir eine kurze Zusammenfassung davon geschickt, die mich sehr berührt, geschockt und verärgert hat.

Es gibt noch sechs weitere Romane, die Gregory bereits geschrieben hat. Geschrieben, um nicht den Verstand zu verlieren. Geschrieben, um die Erlebnisse aus seiner Heimatstadt zu verarbeiten. Hier findet man einer Übersicht dieser Texte.

Mich hat Trauma´n´Drama am meisten bewegt, deswegen wollte ich diesem Text besondere Aufmerksamkeit schenken.

Trauma´n´Drama
This is the story of my life. An autobiography. As a five year old child, I was used to transport heroin and cocaine, by having it placed into my pockets by my mother´s husband as he took me with him on drug runs. The bundles of balloons were placed in my pockets, just incase the police stopped us while on delivers. I was exposed to smoling weed and drinking wine at the age of six. At eight I was counting drug money, placing it in stacks of thousands. At the age of 12 I was selling weed and carrying guns. I would always hang out with older kids, while on my way to being a good gymnast.
There´s an old African adage: „It takes a whole village to raise a child.“ But what happens when the whole village is filled with drug dealers, killers, thugs, gangsters, robbers, gamblers, prostitutes, thieves etc? That child woll likely be a product of his physical and social environment that he was groomed into.
The story of my life will take you throgh the many mazes in my existance, on the streets and Death Row where I reside today.

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Alltag in der Death Row

© Kai Niemeyer / pixelio.de

Gregory und ich schreiben nur sehr selten über seinen Alltag in der Death Row. Ich bin natürlich neugierig wie ein typischer Tag bei Ihm aussieht, aber in den Briefen geht es hauptsächlich darum ihm einen Zufluchtsort zu geben. Einen Zufluchtsort, wo der Gefängnisalltag wenigstens für ein paar Minuten vergessen werden kann.

Das gelingt uns natürlich nicht immer. Zumal der Gefängnisalltag auch unseren Briefkontakt beeinflusst. Größtes Problem dabei ist, dass meine Briefe wochenlang zurück gehalten werden. Wenn Gregory mir schreibt, ist der Brief innerhalb einer Woche bei mir. Wenn ich ihm schreibe, dann dauert es etwa drei, vier Wochen bis Gregory meinen Brief in den Händen hält.

Es ist nicht so, dass die Post in die eine Richtung schneller arbeitet als in die andere. Schön wärs. Es ist vielmehr Schikane der Gefängnismitarbeiter. Die Gefangenen in der Death Row haben nicht viel, an dem sie sich festhalten können. Gregory hat seine Literatur und seine Briefe. Am Schreiben kann man ihn schlecht hindern, also werden die Briefe nur sehr verzögert zugestellt bzw. teilweise zerstört.

Das ist teilweise sehr frustrierend, anstrengend und auch einfach albern. Mein letzter Brief wurde ihm vollkommen zerfleddert zugestellt. Grund dafür war, dass ich auf den Brief eine ausgeschnittene Mohnblume geklebt habe. Meine Kitschader hatte wieder zugeschlagen. Ich fand einen bunten Brief einfach schöner als einfache Schrift auf weißem Grund.
Die Postbeamten im Gefängnis meinten, dass sich wahnsinnig spannende Sachen unter der Mohnblume befinden und mussten das Ganze auseinander nehmen. Natürlich nicht vorsichtig, sondern sehr rabiat. Ist ja egal, wenn der Empfänger den Brief nicht mehr lesen kann, ist doch nur ein Gefangener.

Das sind die einzigen Momente, in denen Gregory bisher aus dem Death Row Alltag berichtet hat. Ich denke aber, dass er sicher bereit ist für seinen Blog mehr Einblicke zu gewähren.

Auf einem ähnlichen Blog habe ich eine Schilderung des Death Row Alltages gefunden. Hier beschreibt Gerald Marshall das Leben im Todestrakt und seine Zelle.

Our Little Secret

© Peter Reinäcker / pixelio.de

The day was finally here, I cleaned my cell spotless and placed most of my Personal belongings into two boxes, just in case I went to the Adjustment Center which is another name for the prison „Hole“. I wasn’t worried about Going to the hole, I had been in the hole many times in my life, since Juvenile Hall days, and prison. I had an objective to fulfil.

I took my freshly starched state prison jeans and shirt from under my Mattress. I didn’t have real starch, my starch consisted ofhot water mixed With sugar in asprat bottle. The pants and shirt looked as if they had been Cleaned and pressed at the cleaners. The hot water and sugar worked good.
As long as I didn’t get caught in the rain, ifthat happen I would be in a Sticky situation.

I had been sleeping on the clothing for the last two months anticipating This special day of October 11. On this day seven years ago, my daughter Akilah Kesi was born. I was incarcerated when Akilah‘ s mother was three Months pregnant. It was the worst feeling lever experienced, not being There for Akilah and my now-ex woman. Akilah was too young to a degree To understand that her Daddy was on Death Row.

I chose her names, names that represented her character and nature to the Fullest. Akilah is a Arabic name which means: intelligent, one who reasons;
And Kesi is a Swahili word name meaning: „Born when her father was in Trouble.“ Weiterlesen

Das Warum.

© Dieter Schütz / pixelio.de

Gregory ist nicht einfach ein Autor, der versucht im Internet seine Texte zu veröffentlichen. Gregory ist ein Opfer und vielleicht auch Täter.

Gregory ist Opfer des amerikanischen Rechtssystems und vielleicht Täter. Vielleicht hat er jemanden umgebracht. Ich weiß es nicht, aber es spielt keine Rolle.

Gregory wurde mein Brieffreund, weil ich mich gegen die Todesstrafe einsetzen wollte.

Im Winter verbringt man zu viel Zeit vor dem Computer. Die Tage sind kurz und grau, da lebt es sich schön vor einem flackerndem Bildschirm. An einem der vielen grauen Tage bin ich in einem Forum auf folgendes gestoßen: Ich schreibe einem zum Tode verurteilten Mann und das ist gut so.

So oder so ähnlich lautete der Eintrag eines jungen Mädchens, das Werbung für die „Initiative gegen die Todesstrafe“ machte.

Die Idee des Projektes lies mich eine ganze Weile nicht los. Es ist einfach zu sagen, dass man gegen die Todesstrafe sei, aber dann passiert oft nicht mehr viel. Ich habe meiner persönliche Einstellung bisher auch nie Taten folgen lassen. Die Gründe waren einfach: zu wenig Informationen, zu wenig Muße.

Das Besondere an der Brieffreundschaft war für mich: Mit ganz wenig Aufwand, kann ich ganz viel bewirken. Nicht im Großen, dafür aber im Kleinen.

Ein Brief und ein Verurteilter hat einen lebenswerten Moment.

Ich habe einige Tage gebraucht, um sicher zu sein. Kann ich einem Menschen schreiben, der jemanden umgebracht hat? Kann ich einem Menschen schreiben, der vielleicht noch viel schlimmere Taten begangen hat?

Dann wurde mir klar, dass ich die Taten ausblenden kann und dass es für mich keine Rolle spielt.

Ich möchte damit keineswegs die Straftaten runterspielen oder rechtfertigen. Meine Sichtweise ist jedoch so: Ich verurteilte die Todesstrafe, weil sie jegliches Recht auf ein menschenwürdiges Leben unterbindet. Sie bietet keinerlei Möglichkeit zu Besserung oder Resozialisation.

Die Death Row ist gleichbedeutend mit einem Tod ohne absehbares Ende. Dieser Zustand ist für mich absolut inakzeptabel, also möchte ich ihn ändern.

Ein Brief an einen möglichen Täter macht ihn nicht weniger zum Täter, aber mehr zu einem Menschen.

The movements of my heart

I get deep from within my heart, where it bleeds out my sorrow, wondering if I’ll be judged and put to death tomorrow. Tried, lied on, wrongly convicted by the media, and jurors who weren’t of my peers, so they won’t try and can’t understand, fighting for rights, justice and equal opportunity is the struggle of the black man. On this deadly voyage (a reincarnation of the Trans Atlantic Slave trade disguised as a Justice System) I’ll travel alone, to reclaim my kingdom on the African throne.

My shield and spear, demolishes and fear, sharp and strong, made of steel. The beats of the drums are my heart beat and will.

My will to survive this system allows my spirit to have no mercy in this war; I’ll destroy my oppressors and aggressors like they destroyed my ancestors.
Strength, beauty, veracity, spirit and struggle, compelling myself not to hesitate when its time to juggle.

The balance of life or death, pressure from being held captive all these years have made me a sacred diamond of wealth.

I’ll approach this battle slowly with caution, like a black panther stalking prey; I see the vultures and hyenas lying in the wait. But I can’t or won’t make any mistakes.

I am on the move, like a train with no breaks.

I am in the belly of the United Snakes beast, it’s dark and cold down here, with no fire, I must serve this knowledge on the raw.

Using my third eye, and street smarts of an out law.

Making my markings from the warrior within, my journey and struggle is the life in its realist manifestation of all Afrikans.

Excerpt from „Hard Knocks old school“ by Gregory Tate aka Camara